Suche
Suche Menü

Von Powerfrauen, Herausforderungen und Erfolgen

Interview mit Sophia Hatzelmann, Geschäftsführerin ahc GmbH und Engineer Powerwoman 2018

Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – der sogenannte MINT-Bereich verspricht Studierenden und Auszubildenden die besten Zukunftsaussichten. Der digitale Wandel und die damit verbundenen neuen Anforderungen an Wirtschaft und Unternehmen, lassen den Bedarf an MINT-Fachkräften rasant steigen. Für Auszubildende, Studierende und Berufstätige im MINT-Bereich bedeutet dies glänzende Berufsaussichten unter guten Konditionen. Trotzdem steigt die Zahl der Frauen in diesem Bereich nur sehr schwach.

Laut aktuellen Ergebnissen der Studienreihe „Fachkraft 2020“ von Studitemps, belegen etwa 36 Prozent der Studierenden in Deutschland einen MINT-Studiengang, dabei liegt das Geschlechterverhältnis bei ca. eins zu drei zugunsten männlicher Studierender.

Warum? Die Gründe hierfür können unterschiedlicher Natur sein, doch das allgemeine Geschlechterverständnis, dass sich über Generationen hinweg etabliert hat, spielt dabei eine entscheidende Rolle. Denn neben den allgemein hohen fachlichen Anforderungen, die ein Studium im MINT-Bereich in der Regel mit sich bringt, sehen sich Frauen zusätzlich mit gesellschaftlichen Hürden konfrontiert. Jungs werden beispielsweise von Kindesbeinen an kompetitiver erzogen als Mädchen, das kommt ihnen in diesen Studiengängen zu Gute. Darüber hinaus fehlt jungen Mädchen oft die Unterstützung und der Glaube an ihre Fähigkeiten von Seiten der Eltern, Lehrer oder des Freundeskreises. Dies wirkt sich entsprechend auf ihre Selbsteinschätzung aus.

Was tun? Mit Veranstaltungen, wie beispielsweise dem WomenPower Kongress im Rahmen der HANNOVER MESSE, werden Frauen im MINT-Bereich auf ihrem Karriereweg bestärkt. Durch den Austausch und das Netzwerken mit Gleichgesinnten sowie einem umfangreichen Rahmenprogramm, sollen Stärken und Talente weiterentwickelt und Potenziale geweckt werden. Die Verleihung des Engineer Powerwoman Awards am Abend des ersten Konferenztages kürt dabei eine Vorreiterin aus dem MINT-Bereich, die sich durch außergewöhnliches Engagement und Ideenreichtum für den MINT-Bereich eingesetzt hat. Der Award zeichnet die herausragenden fachlichen Leistungen im jeweiligen Gebiet aus. Darüber hinaus soll die Engineer Powerwoman auch Nachfolgerinnen als Ansporn und Vorbild dienen. Denn eine Engineer Powerwoman zu sein bedeutet auch, mit Mut, Ausdauer und Leidenschaft an sich und ihren Weg zu glauben, ohne sich von äußeren Einflüssen abbringen zu lassen.

 

Interview mit Sophia Hatzelmann, Geschäftsführerin ahc GmbH und Engineer Powerwoman 2018

Interview mit Sophia Hatzelmann Engineer Powerwoman 2018

  1. Was macht für Sie eine Powerwoman aus?

Eine Powerwoman ist in meinen Augen eine Frau, die Ihre Ziele verfolgt und sich dabei nicht so einfach aus der Bahn werfen lässt. Natürlich können sich Ziele im Laufe des Lebens ändern, daher benötigt eine Powerfrau, meiner Meinung nach, die nötige Flexibilität, um ihre Ziele zu hinterfragen und gegebenenfalls neu zu setzen.

Es ist ganz normal, dass wir in unserem Leben auf Hindernisse und Herausforderungen stoßen können, diese sollten aber keinesfalls eine leichtfertige Entschuldigung sein. Denn wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! Ihre Ziele zu verfolgen und sich von nichts abbringen zu lassen, bedeutet nicht, dass eine Powerfrau eine Einzelkämpferin sein muss. Sie sollte auf ihrem Weg auch immer ihr Umfeld im Auge haben, denn mit der Fähigkeit, sich selbst und andere für ihr Vorhaben zu begeistern, kann sie starke GefährtInnen und UnterstützerInnen finden, die sie auf ihrem Weg begleiten.

 

  1. Wer ist Ihre persönliche Powerwoman und warum?

Um ehrlich zu sein, gibt oder gab es für mich nicht DIE Powerwoman, die mir als Vorbild diente oder an der ich mich orientiert habe. Es gibt natürlich einige großartige Frauen, die meine volle Anerkennung und Wertschätzung genießen. Allerdings gibt es nicht DIE EINE, die mich inspirierte. Es sind wohl eher vereinzelte Situationen, Aktionen und Positionen, die ich bewundernswert finde.

Als Kind liebte ich Entdecker-Bücher und auch für die Forschungsthemen von Lise Meitner und Marie Curie interessierte ich mich schon früh. Doch, wenn ich an meinen Berufseinstieg denke, waren da nur Männer und die wenigen Frauen, naja sagen wir es mal so, die haben in meinen Augen nicht als Vorbilder getaugt. Hätte ich allerdings Vorbilder gehabt, hätte es das Leben sicherlich einfacher gemacht! (Lacht)

 

  1. Was würden Sie Ihrem 20-jährigen Ich (zum Berufseinstieg) raten?

Rückblickend war es entscheidend, dass ich viele Informationen einfach nicht hatte. Ich hatte überhaupt keine Vorstellung von dem, was ich heute mache. Meine Eltern sind keine Unternehmer, weshalb ich mir auch kein Bild davon machen konnte, was man mit meinem heutigen Beruf überhaupt alles anfangen kann.

Ich würde meinem jüngeren Ich raten: Probiere viel aus! Mach ein Praktikum, eine Werkstudententätigkeit, einen Nebenjob oder ein Trainee. Auch, wenn es dir absurd vorkommt! Es bringt dir wenig, einen Abschluss in der Tasche zu haben, der nur aus Theorie besteht. Bleib offen und studiere was fundiertes. Etwas, auf das du aufbauen kannst, nichts zu spezifisches, das dich einschränkt. Heutzutage brauchen wir viele Generalisten, die sich in unterschiedlichen Bereichen auskennen. Unumgänglich ist dabei aber eine Basis an IT-Kenntnissen. Jeder sollte zumindest Grundlagen im Programmieren besitzen, um zu verstehen, wie unsere Welt funktioniert.

Und vor allem: Hab den Anspruch, groß zu werden.

  1. Was muss sich ändern, dass sich mehr Frauen für eine Karriere im MINT-Bereich entscheiden?

Grundsätzlich wäre die Frauenquote in mehr (MINT)Bereichen ein guter Ansatz, da Frauen in vielen Unternehmen sonst überhaupt keine Aufstiegschancen haben.

Auf gesellschaftlicher Ebene müssten gleichzeitig auch Männer mehr Verantwortung im Haushalt und bei der Kinderbetreuung übernehmen. Denn in der Zeit, in der sich die Karriere entwickelt, sehen sich viele Frauen mit familiären Tätigkeiten konfrontiert, die sie auf Kosten ihrer Karriere übernehmen müssen.

Doch man sollte hier schon viel früher beginnen, nämlich bereits in der Schule. Ich halte eine Monoedukation für MINT-Fächer für sinnvoll. Gerade in der Pubertät muss man Mädchen anders an diese Fächer heranführen und andere Beispiele verwenden, um sie ihnen zugänglicher zu machen.

Auf der anderen Seite sollte man auch die Pädagogen stärker für Genderaspekte sensibilisieren, denn oftmals wissen diese gar nicht, wie sehr sie Mädchen durch bestimmte Aussagen verunsichern können.

Ich glaube aber, dass sich Mädchen heute nicht mehr explizit durchkämpfen müssen, wie es vielleicht noch zu meiner Zeit der Fall war. Trotzdem würde es enorm helfen, wenn wir an unserem Genderverständnis arbeiten würden.

 

  1. Ihr Statement zur WomenPower und zur Verleihung des Engineer Powerwoman Awards:

Der WomenPower Kongress ist meiner Meinung nach elementar wichtig! Hier können sich Frauen miteinander vernetzen, interessante Arbeitgeber finden und neue Impulse erhalten. Zudem finde ich es auch besonders wichtig, dass Frauen ihre Fähigkeiten hier zeigen können. Es wäre schön, wenn sich auch mehr Männer für solche Arten von Veranstaltungen interessieren und diese unterstützen würden.  

Der Award selbst bedeutet mir sehr viel. Es ist keiner dieser „Herzchen-Awards“, bei dem man versuchen muss, so viele „likes“ wie möglich zu bekommen. Hier wird die berufliche und die unternehmerische Leistung und das Engagement ausgezeichnet. Es geht um Engineering und nicht nur um das Frau sein allein, denn das hat man sich ja nicht verdient. Hier zählt der technische Aspekt.  

Mir persönlich hilft er, ein Stückchen mehr Sichtbarkeit zu gewinnen. Es ist eine bedeutende Auszeichnung, über die ich mich unglaublich gefreut habe. Nicht nur, weil man auch im Wettbewerb mit anderen großartigen Frauen steht, sondern weil auch die Jury ausgesprochen kompetent ist!

 

WomenPower – Der führende Kongress für Frauen in der Industrie 

4.– 5. April 2019 | Halle 19 | HANNOVER MESSE

Unter dem Motto „Let´s get loud – Women in Industry! Empower. Create. Succeed.“ laden wir Dich zu der etabliertesten Netzwerk- und Diskussionsplattform für Frauen zu Karrierefragen, Erfolgsstrategien und innovativen Arbeitsformen ein.

Highlight: Verleihung des Engineer Powerwoman Awards! Bewerbungsschluss ist der 12. Februar 2019

Mehr Informationen findest du unter: www.womenpower-kongress.de